UBA bereitet eigene Messungen vor

Die Abgas-Affäre zieht weitere Kreise: Das Umweltbundesamt will eigene Messungen einführen und Diesel-Pkw aus den Innenstädten verbannen.

Das Umweltbundesamt (UBA) macht Druck in Sachen Diesel-Abgase. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger hat Medienberichte bestätigt, wonach die Behörde ein eigenes Programm entwickeln lässt, um Abgaswerte von Diesel-Pkw zu messen. Demnach sollen Prüfffirmen in Zukunft die Abgase auf der Straße messen – und nicht nur im Labor, wie es bislang der Fall ist. So sollen die Autos zeigen, ob sie im Verkehr einhalten, was die Tests im Labor versprechen.

Eigentlich ist das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) für die Abgasmessung zuständig. Doch deren Chef Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zeigte sich bei der Aufarbeitung der Abgas-Affäre wohl zu zögerlich und beugte sich zu sehr dem Druck der Autoindustrie.

Dieselverbot in Innenstädten

Zudem kündigte Krautzberger an, dass Diesel-Fahrzeuge in den hoch belasteten Innenstädten „sicher keine Zukunft“ hätten. Nach neuesten Erkenntnissen sind auf deutschen Straßen mehr als vier Millionen angeblich besonders saubere Fahrzeuge mit grüner Plakette unterwegs, die allerdings im Straßenverkehr mehr als doppelt so viel Schadstoff ausstoßen wie im Labor gemessen. Die Folge: Der eigentlich vorgeschriebene Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxide pro Kubikmeter wird nur im ländlichen Raum eingehalten. In den Städten sind die gemessenen Werte viel zu hoch.

Zeitenwende?

Der Autohersteller VW, dessen manipulierte Messwerte die Debatte ausgelöst hatten, bezahlt indes teuer für den Betrug. Wie Medien berichten, wird der Konzern für einen Vergleich mit privaten Klägern und Behörden in USA vorrausichtlich mehr als 15 Milliarden Dollar bezahlen müssen. Das wären fünf Milliarden Dollar mehr als zuletzt erwartet.

Der neue Konzernchef Matthias Müller kündigte nun eine Abkehr vom Diesel an. VW wolle stattdessen die Elektromobilität ausbauen und in neue Mobilitätsdienstleistungen investieren.