Stromschwemme im deutschen Netz

Deutsche Kraftwerke und Anlagen haben 2012 so viel Energie erzeugt wie nie – trotz Atomausstieg. Als Folge musste Deutschland Strom ins Ausland verschenken.

Im Frühjahr 2011 gingen die acht ältesten deutschen Atommeiler vom Netz. Doch der Produktionsüberschuss von Strom ist 2012 gestiegen, auf einen Rekordwert von 23 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Das entspricht der Menge, die zwei Kernkraftwerke innerhalb eines Jahres produzieren. 2011 lag der Wert bei nur einem Drittel, also 8 Milliarden kWh.

Erneuerbare Energien treiben die Preise

Verantwortlich für die Überproduktion ist der rasante Ausbau des grünen Stroms. Ihr Anteil am Energiemix liegt bereits bei knapp 22 Prozent. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat der Ökostrom Vorrang und fließt komplett in das deutsche Stromnetz. Daher müssen die konventionellen Kraftwerke ihre Kapazitäten zeitweise drosseln – immer dann, wenn viel erneuerbare Energie ins Netz fließt. Sie brauchen aber zu lange, um wieder hoch zu fahren, sind unflexibel. Zur Mindestleistung, die sie deshalb immer fahren müssen, fließt die grüne Energie. Es kommt zur Strominflation.

Käufer erhalten Strom plus Bonus

Je mehr Strom im Netz verfügbar ist, desto weniger kostet er. Beispielsweise, wenn die Verbraucher an einem windigen oder sonnigen Tag wenig Energie nachfragen. Bei einem solchen Überschuss muss Deutschland sogar bis zu 22 Cent pro kWh drauf legen, um den Strom an die Nachbarländer loszuwerden. Dies geschah 2012 an 15 Tagen. Zuletzt war es an den milden Weihnachtstagen der Fall.

Klimabilanz bleibt negativ

Ein weiterer Nachteil der Stromschwemme: Teure Gaskraftwerke lohnen sich kaum noch und stehen still. Gerade sie sind aber wichtig, weil flexibler, um die erneuerbaren Energien sinnvoll ergänzen zu können. So braucht es preiswerte Kohlekraftwerke, die aber die Umwelt stärker belasten. Deshalb bessert sich die Klimabilanz trotz des Booms bei den Erneuerbaren nicht automatisch.