Strompreis: Geteiltes Deutschland?

Nach einem Pressebericht droht Deutschland die Spaltung in zwei Strompreiszonen. Damit wolle die EU den schleppenden Netzausbau sanktionieren.

Künftig könnten die Menschen in Süddeutschland mehr für Strom zahlen als die Bewohner Norddeutschlands. Das berichtet die „Welt am Sonntag.“ Die Zeitung hat nach eigenen Aussagen Informationen, wonach die EU in Deutschland zwei Preiszonen etablieren will.

Die EU kritisiert schon länger, dass Deutschland zu wenig neue Leitungen baut und wichtige Stromautobahnen nicht rechtzeitig fertig werden. Einiges von dem in Norddeutschland produzierten Strom aus Windanlagen fließt deshalb als Überschussstrom in Nachbarländer anstatt nach Süddeutschland, wo er gebraucht würde. Wegen des billigen Stroms von deutschen Windrädern leiden die Stromerzeuger dieser Länder wie etwa Polen unter Umsatzverlusten. Dies sei eine Quelle politischer Konflikte und behindere die Integration der west- und osteuropäischen Strommärkte, hieße es in Brüssel.

Netzausbau kommt nicht voran

Deshalb drohe die Kommission damit, das Land in zwei Strompreiszonen zu zerschlagen, schreibt die „Welt am Sonntag“. Im Süden solle süddeutscher Strom angeboten werden und im Norden norddeutscher Strom. Weil aber im Süden wenig Strom produziert wird, wären dort höhere Preise zu erwarten.

Hintergrund: Deutschland muss die Nord-Süd-Trassen möglichst schnell ausbauen, um den Windstrom aus dem Norden nach Süddeutschland zu transportieren. Doch trotz Milliardeninvestitionen kommt der Netzausbau nicht voran und wichtige Stromautobahnen werden nicht wie geplant Ende 2022 fertig sein.

Bundesregierung dementiert

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) dementiert den „Welt“-Bericht und will noch keine offizielle Positionierung der EU-Kommission zur Aufteilung erhalten haben. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) schlägt indes vor, bis zur Vollendung des Netzausbaus den Ausbau der Windanlagen zu limitieren. Zudem führe das BMWi Gespräche mit Nachbarländern, wie die Überlastung der Stromsysteme dort verhindert werden könnte, hat das Portal „klimaretter.info“ auf Nachfrage erfahren.