Schwieriger, langsamer, teurer?

Gas- und Kohlekraftwerke werden 2050 laut einer aktuellen Studie noch rund 60% der abrufbaren Leistung stellen müssen. Die Ziele der deutschen Energiewende scheinen in weite Ferne gerückt.

Wer hätte das gedacht: Im Jahr 2050 werden immer noch fossile Kraftwerke zur Deckung der deutschen Grundleistung gebraucht werden. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena).

Die Wissenschaftler untersuchten die Entwicklung des deutschen Stromsystems bis 2050. Dafür setzten sie den Ausbau des Anteils der erneuerbaren Energien auf mindestens 80 Prozent und einen gleichbleibenden Strombedarf voraus. Beides entspricht den aktuellen Trends und den Zielen der Bundesregierung.

15 Prozent der regenerativ erzeugte Energie verpufft

Die Menge der regenerativ erzeugten Energie in Deutschland schwankt stark. Um diese Schwankungen handhaben zu können, ist eine Flexibilisierung der konventionellen Erzeugung, eine intelligente Steuerung der Nachfrage sowie der Bau von Stromspeicherkapazitäten zwingend notwendig – so die Studie.

Dennoch: Allen Bemühungen zum Trotz können der Studie zufolge rund 15 Prozent des im Inland produzierten, regenerativen Stroms 2050 noch nicht genutzt werden. Der Grund: Zeitlich begrenzte Stromüberschüsse aus Wind- und Sonnenenergie sind nach aktuellem Stand weder nutz-, noch speicherbar.

Wenn nicht konventionelle Kraftwerke auch im Jahr 2050 noch für Reserve sorgen, würden deshalb 60 Prozent der gesicherten, also jederzeit verfügbaren Leistung, fehlen. So das unerwartete Fazit der Studie.

Konventionelle Kraftwerke stellen weiterhin siebe Prozent der gesicherten Leistung

Die gesicherte Leistung ist demnach notwendig, widerspricht jedoch den Zielen der Energiewende. Laut der Studie wird der Bedarf konventionell erzeugter Energie bis 2050 nur um 37 Prozent im Vergleich zu 2010 sinken können.

Bleibt der Netzausbau allerdings hinter den gesetzten Zielen zurück oder ist das Ausland nicht bereit, den Ausgleich der Schwankungen der Stromerzeugung in Deutschland zu unterstützen, wird die Integration der erneuerbaren Energien wesentlich schwieriger, und die Bedeutung der gesicherten Leistung der inländischen konventionellen Kraftwerke für die Versorgungssicherheit nimmt zu.

Stromversorgung durch eigene Kraft

Trotz aller Schwierigkeiten kommentierte Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, die Studie: Das Ziel sollte sein, die Stromversorgung in Deutschland auch durch den bevorstehenden Wandlungsprozess hindurch möglichst aus eigener Kraft und zu vertretbaren Kosten zu sichern.