Riesiges Potenzial für Windenergie an Land

Deutschland könnte weit mehr Energie durch Windräder an Land erzeugen als bisher angenommen – das ergibt eine aktuelle Studie. Über ein Zehntel der Landfläche eigne sich für Windenergie.

Bis zu 13,8 Prozent der deutschen Landesfläche lassen sich nach einer neuen Studie des Umweltbundesamtes (UBA) für die Windenergie nutzen – ohne sensible Schutzgebiete erheblich zu beeinträchtigen oder Abstriche beim gesetzlichen Lärmschutz zu machen.

Das entspricht einer Leistung von 1200 Gigawatt. Diese Menge übersteigt bei Weitem die Leistung an Windkraft, die das UBA im Jahr 2010 in einem Szenario zu Grunde gelegt hatte, um die Stromerzeugung zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umzustellen – zusammen mit Offshore-Windenergie, Photovoltaik, Wasserkraft und Geothermie. Demnach würde man im Jahr 2050 60 Gigawatt Windenergie an Land benötigen.

Windstrom fast so billig wie Kohle- und Gasstrom

UBA-Präsident Jochen Flasbarth kommentierte die Ergebnisse: Wir müssen das Potenzial nur zu einem kleinen Teil ausschöpfen, um unsere Klimaziele zu erreichen. Bundesweit betrachtet besteht damit ein großer Gestaltungsspielraum für den Ausbau der Windenergie an Land und für den künftigen erneuerbaren Energiemix insgesamt“.

Um eine Stromversorgung aus erneuerbaren Energiequellen zu erreichen, ist der Ausbau von Windenergieanlagen besonders wichtig. Die Windenergie an Land ist nach der Wasserkraft die günstigste erneuerbare Energieform. Schon heute produzieren Windenergieanlagen im Schnitt Strom zu acht Cent je Kilowattstunde, also zu einem Preis, der nur knapp über dem von Strom aus Kohle und Gas liegt.

Einschränkung: Akzeptanz der Bürger

Das höhere Potenzial ergibt sich laut Studie aus neuen technischen Möglichkeiten. Moderne Anlagen erlauben laut Studie längere Laufzeiten auch in der Nacht und einen geringeren Abstand zu Wohngebieten – vorbehaltlich der Akzeptanz durch die Bevölkerung. In der Realität ergeben sich vor Ort dadurch Einschränkungen.

Das betonte auch Flasbarth: „Eine bundesweite Studie kann natürlich nicht alle wichtigen Aspekte – vor allem Akzeptanz in der Bevölkerung vor Ort oder die Wirtschaftlichkeit eines konkreten Projektes – berücksichtigen“, sagt Flasbarth. Die Genehmigung einer Windenergieanlage sei letztendlich immer eine Einzelfallentscheidung, die vor Ort zu treffen ist.