Mieter profitieren von energetischer Sanierung

Die energetische Sanierung von Gebäuden lässt die Wohnkosten nicht steigen. Wie die Deutsche Energie-Agentur (dena) berichtet, sind andere Faktoren für Mieterhöhungen verantwortlich.

Anfang der Woche schlug der Mieterschutzbund Alarm: Viele einkommensschwache Haushalte seien vom Verlust ihrer Wohnung bedroht. Die durch energetische Sanierung entstandene Mietpreiserhöhungen seien für sie nicht mehr leistbar, so der Mieterschutzbund.

Die dena hält nun dagegen: „Wer die energetische Sanierung zum Sündenbock für hohe Mietsteigerungen inDeutschland macht, ist auf der falschen Fährte“, sagt Stephan Kohler, dena-Geschäftsführer und Sprecher der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea).

82 Cent Mieterhöhung sparen 92 Cent Energiekosten

Kohler bezieht sich auf Studien, die in der Vergangenheit zu diesem Thema erhoben wurden. „Wir haben bereits 2010 anhand einer Untersuchung von rund 250 Gebäuden nachweisen können, dass alte und sanierungsbedürftige Mietshäuser auf einen sehr guten Energiestandard gebracht werden können, ohne dass die Warmmiete steigen muss.“ Einer durch die energetischen Maßnahmen fälligen Kaltmietensteigerung um durchschnittlich 82 Cent pro Quadratmeter stünde eine Heizkostenersparnis von 92 Cent pro Quadratmeter gegenüber. „Die energetische Sanierung ist nicht das Problem, sondern die Lösung bei steigenden Energiekosten.“

Schönheitssanierung vs. Energetische Sanierung

Die dena macht andere Ursachen für viele Mietsteigerungen aus: Alte Häuser,in denen trotz guter Stadtlage bisher eine geringe Miete fällig wurde,können nach einer Aufwertung durch eine umfassende Sanierung deutlichhöhere Mieten erzielen. Diese Chance würden Eigentümer natürlichnutzen. Zwar würden diese Häuser dann auch häufig energetisch saniert– die hohe Preissteigerung sei aber zu einem guten Teil auf die„Schönheitssanierung“ zurückzuführen.

Mieten werden an gestiegenes Preisniveau angepasst

In anderen Fällen würden Mieten, die lange nicht erhöhrt wurden, im Zuge einer energetischen Sanierung an ein allgemein gestiegenes Niveauangepasst. Diese Effekte treten besonders in den deutschen Großstädtenhäufig auf und treffen tatsächlich oft einkommensschwache Menschen, dieschon lange in ihren Wohnungen leben. „Dass der Deutsche Mieterbunddieses Problem angehen möchte, ist wichtig und richtig. Man soll es aberbitte nicht der energetischen Sanierung in die Schuhe schieben“, fordertder Sprecher der geea.

Das darf der Vermieter auf den Vermieter abwälzen

Bei umfassenden Gebäudesanierungen fallen drei Arten von Kosten an, dieein vermietender Eigentümer klar trennen muss: So genannte „wohnwertverbessernde Maßnahmen“, beispielsweise eineBadmodernisierung oder die Anbringung von Balkonen. Diese Veränderungen verbessern zwar dieWohnqualität, verursachen aber auch erhebliche umlagefähige Kosten undsparen per se keine Energie.

Auch „Instandsetzungs- undErhaltungskosten“ sind bei alten Häusern nicht unerheblich. Hier geht es umnotwendige Maßnahmen zum Erhalt des Hauses, beispielsweise diePutzerneuerung oder neue Dachziegel. Diese Kosten muss der Vermieteraus seinen laufenden Mieteinnahmen zahlen und darf sie nichtumlegen – auch wenn sie zu einem geringeren Energieverbrauch führen.

Schließlich gibt es die Kosten für neue energetisch wirksameBestandteile: zum Beispiel eine neue Solarwärmeanlage oder eine neueDämmung. Diese Kosten einer energetischen Sanierung darf ein Vermieter anden Mieter weitergeben.