Kohlekraftwerke werden unrentabel

Laut einer Studie müssen aufgrund der neuen EU-Grenzwerte ein Drittel der Kohlekraftwerke nachgerüstet oder geschlossen werden.

Ab 2021 dürfen Kraftwerke in der europäischen Union im Jahresmittel höchstens 175 Milligramm Stickoxid pro Kubikmeter ausstoßen. Das hat das zuständige EU-Gremium kürzlich gegen den Widerstand Deutschlands festgelegt. Für ein Drittel der großen Kohlekraftwerke in der EU bedeutet das: Sie müssen für viel Geld nachgerüstet oder stillgelegt werden. Das hat der amerikanische Thinktank Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) in einer Studie ermittelt.

Insgesamt geht es um 108 Anlagen, viele davon in Osteuropa. In Deutschland ist der Studie zufolge die Anlage Jänschwalde am stärksten betroffen. Angesichts des Alters und des Stickoxid-Ausstoßes der sechs Blöcke habe das Brandenburger Kohlekraftwerk wohl keine wirtschaftliche Zukunft mehr nach 2021, schreiben die IEEFA-Autoren. Es stelle sich daher die Frage, ob es sinnvoll sei, dass der deutsche Staat den Betreiberkonzern EPH dafür entschädige, dass er mit zwei Blöcken in den Jahren 2022 und 2023 in die Reserve geht.

Nicht mehr wirtschaftlich

Die Studie untersucht die Situation in verschiedenen Ländern bezüglich der Schadstoff-Emissionen und -Grenzwerte. „Diese Regulierung wird zukünftig die fragile Wirtschaftlichkeit der Kohleverstromung in der EU gegenüber Gas und Erneuerbaren verschlechtern und in vielen Fällen zunichte machen“, resümiert IEEFA-Energiefinanzexperte und Co-Autor der Studie, Gerard Wynn. Denn die Kosten für die Nachrüstung würden für viele Anlagen angesichts der Marktsituation und anderer Hindernisse untragbar.