Globale Energiewende: Deutschland nur auf Rang 17

Deutschland verschlechtert sich im globalen Energiewende-Ranking. Auch international kommt die Transformation des Energiesystems kaum voran.

Deutschland galt lange als internationales Vorbild beim Ausbau erneuerbarer Energien. Selbst das Wort „Energiewende“ hatte sich in der englischsprachigen Fachliteratur etabliert. Inzwischen laufen jedoch andere Länder Deutschland beim Übergang zu einem nachhaltigen Energiesystem den Rang ab: Der Bericht „Fostering Effective Energy Transition“ des Weltwirtschaftsforums sieht den einstigen Vorreiter nur noch auf Platz 17.

Skandinavien führt

Zu den führenden zehn Ländern der globalen Energiewende zählen ausschließlich europäische Staaten, vor allem Skandinavien ist erfolgreich: Mit einem Energy-Transition-Index-Wert von 74,9 Prozent führt Schweden die Liste an. Norwegen, Finnland und Dänemark folgen auf den Plätzen drei bis fünf. Den zweitbesten Wert erhält die Schweiz mit 74,3 Prozent. Österreich, Großbritannien, Frankreich, Dänemark und Island belegen die Plätze sechs bis zehn. Deutschland rutscht mit einem Wert von 64,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr einen Platz nach hinten und platziert sich zwischen Portugal (Platz 16) und Japan (Platz 18).

Deutschland: Gründe für Platz 17

Negativ auf die Platzierung Deutschlands wirken sich hohe Energiepreise, hohe CO2-Emissionen und vor allem das auf fossilen Brennstoffen ausgerichtete Energiesystem aus. Letzteres sorgt dafür, dass Deutschland in der Kategorie Energiesystemstruktur nur auf Platz 111 von 115 kommt. Positiven Einfluss auf die Platzierung hat jedoch die Bereitschaft zur Energiewende: Diese sei deutlich höher als die Effizienz des Energiesystems.

Globale Energiewende stagniert

Im Bericht wird auch festgestellt, dass der Weg zur globalen Energiewende noch weit ist. So habe die Transformation des Energiesystems weltweit in den vergangenen Jahren so gut wie keine Fortschritte gemacht. Der Anteil fossiler Brennstoffe am Primärenergieverbrauch stagniert seit dreißig Jahren bei 81 Prozent, die CO2-Emissionen und der Verbrauch von Kohle sind sogar gestiegen. Zwar haben mehr Menschen Zugang zu elektrischer Energie, das Energiesystem sei allerdings weniger bezahlbar und umweltfreundlicher. „Angesichts der Vernetzung des Energiesystems in allen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Systemen besteht mehr denn je die Notwendigkeit, dass sich verschiedene Interessengruppen um ein gemeinsames Verständnis über die Vision und die Prioritäten des Energiewandels bemühen“, so die Autoren des Berichts.