Die Insel taut auf

Der Anstieg des Meeresspiegels wurde bisher deutlich unterschätzt. Denn selbst als stabil geglaubte Gletscher im Nordosten Grönlands schmelzen massiv.

Bisher als stabil geltende Gletscher im Nordosten Grönlands verlieren nach einer aktuellen Studie riesige Eismassen. Jedes Jahr schmelzen zehn Gigatonnen (zehn Milliarden Tonnen) Eis im nordöstlichen Eisstrom. Das berichtet ein Team von Wissenschaftlern der Technischen Universität Dänemark im Fachjournal Nature Climate Change. Die Wissenschaftler untersuchten den nordöstlichen Eisstrom, der 25 Jahre lang als stabil galt.

„Anstieg des Meeresspiegels wurde unterschätzt“

Laut der kürzlich veröffentlichten Studie ist auch dieser Teil des grönländischen Eises gefährdet. In nur sechs Jahren schmolz der nordöstliche Eisstrom ganze 20 Kilometer ab. Der weiter südlich liegende Jakobshavn Gletscher verlor im Vergleich 35 Kilometer Eismasse in 150 Jahren. Das rapide Schmelzen der nordöstlichen Gletschergebiete ist besonders brisant. Denn im Gegensatz zu anderen großen Gletschern in Grönland führt der nordöstliche Eisstrom 700 Kilometer tief ins Inland hinein. Die Veränderungen in den Randgebieten könnten so die Balance der Eismassen im Landesinneren beeinflussen. Die mögliche Folge: Riesige Eisbrocken lösen sich vom Inlandeis und strömen ins Meer.

Die Anstiegsszenarien des Meeresspiegels gingen bisher aber von einem stabilen nordöstlichen Eisstrom aus. Die von der Studie jetzt entdeckte Schmelze und das zusätzlich wegbrechende Eis im Inland wurden in den Berechnungen nicht einbezogen. „Das bedeutet, dass diese Modelle den Anstieg des Meeresspiegels unterschätzten“, warnt Studienautor Shfaqat Abbas Khan.