Ausbau des Stromnetzes wird Volksaufgabe

Der für die Energiewende nötige Ausbau des Stromnetzes von Nord nach Süd ist wenig populär. Schleswig-Holstein macht nun einen Vorstoß, um die Akzeptanz zu steigern: die Bürgerleitung.

Im Windstrom-Land Schleswig-Holstein sollen sich die Bürger schon bald an der Finanzierung von Stromtrassen beteiligen können. Mit mindestens 1000 Euro kann jeder Bürger in den Ausbau der neuen Höchstspannungsleitungen investieren. Dies machten SPD-Ministerpräsident Torsten Albig und der Netzbetreiber Tennet am Mittwoch bekannt.

„Die Menschen in der Region mitnehmen“

Der Vorstoß zielt darauf ab, Akzeptanz für den sehr umstrittenen Ausbau der Trasse zwischen Brunsbüttel und Niebüll zu erzeugen. Daher sollen ausschließlich Privatleute Anteile kaufen dürfen. „Der Netzausbau gelingt nur, wenn wir die Menschen in der Region mitnehmen, erläuterte Albig. Die sogenannte Bürgerleitung sei „ein weiterer Meilenstein, um die Energiewende im Land zügig umzusetzen.“

Betroffene Bürger bevorzugt

Der Vorstoß von Landesregierung und des Netzbetreibers Tennet zielt vor allem auf unmittelbar betroffene Anwohner ab. Wer vom Bau der 380-Kilovolt-Leitung am stärksten eingeschränkt wird, erhält den Vorzug für die Aktien. Eine finanziell enge Bindung an das Projekt soll den Nutzen des Netzausbaus verdeutlichen.

Als windreiches Küstenland kommt Schleswig-Holstein bei der Energiewende eine Schlüsselrolle zu. Der dort produzierte Strom muss über die neuen Leitungen in den Westen und Süden Deutschlands übertragen werden. Dort nimmt die Industrie am meisten Strom ab. Trotz großen Zuspruchs zur Energiewende stößt der Bau neuer Hochspannungsleitungen auf Ablehnung.