Schwarmintelligenz für die Energiebranche

Virtuelle Kraftwerke schließen viele kleine Stromproduzenten zu einem großen Anbieter zusammen. Das könnte ein Meilenstein der Energiewende werden.

Ein intelligentes Stromnetz, das ohne konventionelle Großkraftwerke auskommt – wenn das erreicht ist, hat Deutschland die Energiewende mit Bravour gemeistert. Der Anfang ist gemacht. Immer mehr Menschen erzeugen saubere Energie vor Ort, mit Fotovoltaikanlagen, Blockheizkraftwerken, Wärmepumpen oder Biogasanlagen. Doch wie kann aus vielen kleinen Energieanlagen ein funktionsfähiges Stromnetz werden? Und wie gelingt es, die Schwankungen auszugleichen, die diese Art der Energieerzeugung mit sich bringt?

Dezentral erzeugt, zentral gesteuert

Die Lösung: Viele kleine, dezentrale Stromerzeuger schließen sich zu einem virtuellen Kraftwerk zusammen, das konventionelle Großanlagen ersetzt. Dadurch wird der Strom regional erzeugt, gleichzeitig aber informationstechnisch gekoppelt und zentral gesteuert. Je mehr Stromerzeuger sich zusammen tun, desto flexibler und effizienter ist das System. Im Verbund können sich die volatilen Energien ausgleichen und in Summe mehr erneuerbaren Energien ins Netz einspeisen. Noch sind Planung und Steuerung aufwändig und teuer, aber die Technologie beginnt, sich durchzusetzen.

Für mittelständische Energie-Produzenten funktioniert das Konzept bereits seit einigen Jahren. Über Anbieter wie Next Kraftwerke oder Mark-E bringen tausende Besitzer eines BHKWs, eines Pumpspeicherwerks oder einer Biogasanlage Strom in einen virtuellen Pool ein, die Betreiber speisen die Energie dann gebündelt ins Netz. Einzige Voraussetzung: Die teilnehmende Anlage muss fernsteuerbar sein.

Hausbesitzer werden Teil des Energiemarktes

Seit kurzem können sich auch ganz normale Solarstromer einem virtuellen Kraftwerk anschließen. Die Sonnencommunity des Heimspeicher-Produzenten sonnen und bald auch die SchwarmBatterie des Ökostromanbieters Lichtblick vernetzen Fotovoltaikanlagen mit Kleinspeichern. Die Anlageneigentümer nutzen einen Teil ihres erzeugten Solarstroms selbst, ein weiterer Teil wird zur späteren Verwendung in der Batterie gelagert. Überschüssiger Strom kommt in einen Strompool, der allen Mitgliedern zur Verfügung steht.

Die Teilnehmer können mit attraktiven Erlösen rechnen. Die Betreiber des Kraftwerks verkaufen den Strom per Direktvermarktung zu einem marktgerechten Preis. Die Anlagenbesitzer erhalten den Marktwert plus eine Marktprämie. Das ist meist mehr als bei einer Einspeisung über die Vergütungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz herausspringen würde. Die Betreiber des Kraftwerks verdienen an einer Nutzungsgebühr.