Zweites Leben

Unsere Häuser sind voller schöner und nützlicher Dinge. Leider schmeißen wir sie viel zu schnell weg. Mit Upcycling und Kreativität wir aus Alt einfach Neu.

Gerade sind Marc und Justin wieder auf dem Betriebshof des Arbeits- und sozialpädagogischen Zentrums, ASZ, in der Pfaffstraße eingetroffen. Der Transporter ist gut gefüllt mit Paletten. Eine Spende der Dachdeckerei Lanzenstiel. Jetzt geht es ans Ausladen. Arbeitsanleiterin Michaela Krauskopf kommt hinzu. Sie nimmt das Material unter die Lupe. Mit Kennerblick prüft sie die Fuhre. Gutes Holz für die nächsten Projekte. „Oft finden sich hochwertige Hölzer wie Birke, Eiche, Ahorn und Buche dazwischen“, erklärt die Schreinerin. „Holz, das aus irgendeinem Grund in der Möbelindustrie keine Verwendung fand, wird zu Paletten verarbeitet.“ Bei Michaela Krauskopf und ihrem Team bekommt das Holz eine zweite Chance. Nicht jedem Stück sieht man später an, dass es einmal eine Palette war. Erst einmal zerlegen die beiden Männer die Paletten, entfernen die Nägel. Das ein oder andere Brett wird angehobelt, um zu sehen, was unter der rauen Oberfläche steckt. Fachgerecht gelagert, warten die Bretter, bis sie gebraucht werden. In der Holzwerkstatt des ASZ fertigen die Teilnehmer der Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramme daraus Klein- und Gartenmöbel, wie den beliebten Deckchair im Adirondack-Stil. Bei Michaela Krauskopf ist die Kreativität der Teilnehmer gefragt. So entstehen immer neue Produkte aus gebrauchtem Material. Selbstverständlich wird jeder Kundenwunsch erfüllt.

view - die agentur / Reiner Voß

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Aus bunten Stoffen entstehen in der Nähwerkstatt Taschen, Yogakissen, Steckenpferde und vieles mehr. Selbst kleinste Stoffreste werden verarbeitet.

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Beim ASZ in der Pfaffstraße wird aus Alt Neu. Michaela Krauskopf fertigt mit ihrem Team Möbel aus Palettenholz.

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In der Schreinerwerkstatt werden aus unscheinbaren alten Möbeln kleine Schmückstücke.

Das ASZ

Beim Upcycling werden scheinbar nutzlose Werkstoffe in neuwertige Produkte umgewandelt. Die Wiederverwertung von vorhandenem Material reduziert die Verwendung von Rohstoffen. Da die natürlichen Ressourcen abnehmen und viele ihr Konsumverhalten überdenken, ist Upcycling auch in den Wohlstandsgesellschaften auf dem Vormarsch. Upgecycelt wurde beim ASZ schon, als der Begriff noch nicht in Mode war. Beispielsweise in der Nähwerkstatt. Hier entstehen unter Anleitung von Petra Scheuermann aus gebrauchten Stoffen unzählige Dinge, wie Stofftiere und Steckenpferde. Unter dem Label „2nd bag“ gibt es Taschen aller Art, auch aus Kaffeeverpackungen.

Upcycling ist angesagt

Im vergangenen Jahr hat das ASZ sein 35-jähriges Bestehen gefeiert. Träger ist der Pfälzische Verein für Soziale Rechtspflege. Mit der Einrichtung von Beschäftigungsprojekten Anfang der 1980er-Jahre beschritt er in Kaiserslautern erstmals neue Wege auf dem Gebiet der Kriminalprävention. In den verschiedenen Werkstätten und Projekten arbeiten heute etwa 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. 70 hauptamtliche Mitarbeitende stehen zur Betreuung und Beratung zur Verfügung, übernehmen Verwaltungsaufgaben. Das ASZ erbringt justiznahe Dienstleistungen, engagiert sich in der Jugendhilfe, bietet Beschäftigungs- sowie Qualifizierungsmöglichkeiten, macht Stadtteilarbeit, unterstützt Asylsuchende und unterhält Gemeinschaftsunterkünfte und Begegnungsstätten. Und natürlich den Möbelladen Déjà vu. Hier gibt es neben restaurierten Weichholzmöbeln auch Produkte aus den verschiedenen Werkstätten. Mehr Infos zu Upcycling und den verschiedenen Projekten des ASZ gibt es hier.