Sichtbare Energiewende

Sie springen ins Auge, die vier neuen Schornsteine des Heizkraftwerks in der Karcherstraße. 2022 soll die Anlage in Betrieb gehen.

Zum Titelbild: SWK steigt aus der Kohle aus. Durch die neue Gasturbinenanlage sinkt der Schadstoffausstoß erheblich.

Mit der Modernisierung des Heizkraftwerks in der Karcherstraße steigt SWK aus der Kohle aus. Die neue Gasturbinenanlage wird 30 Prozent weniger Stickoxide, 60 Prozent weniger Schwefeloxide und 90 Prozent weniger Staub emittieren. „Das ist schon eine Hausnummer“, sagt Rainer Nauerz, technischer Vorstand der Stadtwerke Kaiserslautern. „Wir setzen alles daran, das Kraftwerk so umweltfreundlich wie möglich zu betreiben. Statt mit Kohle wird die neue hocheffiziente Anlage mit emissionsärmerem Erdgas befeuert. Da wir Strom und Wärme gleichzeitig produzieren, erreichen wir einen Wirkungsgrad von rund 90 Prozent. Die neue Anlage kann mit einem 20-prozentigen Wasserstoffanteil im Erdgas betrieben werden. Auch der Einsatz von Biogas ist möglich. Mit dieser flexiblen Technologie stellen wir die Weichen für eine effiziente, emissionsarme Energieversorgung.“

Strom und Wärme

Bereits 2018 hat der regionale Energieversorger einen Kohlekessel für die Erdgasfeuerung umgebaut. 2020 wurde ein weiterer Kohlekessel demontiert, das vorhandene Kesselhaus völlig entkernt. Durch eine planerische Meisterleistung finden die vier neuen Gasturbinen mit den Abhitzkesseln darin Platz. Das neue Kesselgerüst, die Kessel und die notwendigen Bühnen sind fertig. Alles ist für die Lieferung der Turbinen vorbereitet. Pünktlich zur Heizperiode 2022/23 sollen sie die Versorgung aufnehmen. Im Betrieb erzeugen sie dann Strom und Wärme gleichzeitig. Die produzierte Strommenge wird sich verdoppeln. Die Umstellung auf Gas macht die Erzeugung flexibler. Noch mehr Flexibilität bringen Wärmespeicher. Drei neue Speicher werden die drei vorhandenen ergänzen. Mit der Modernisierung des Heizkraftwerks verwirklicht SWK das größte Projekt seit Bestehen des Unternehmens. 65 Millionen Euro fließen in den Umbau zu einem flexiblen Strom-Wärme-System.

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Weithin sichtbar: die vier Schornsteine der neuen Gasturbinenanlage. SWK investiert 65 Millionen Euro in die zukunftsweisende Energieversorgung.

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Wie am Schnürchen

Die Bauarbeiten schreiten planmäßig voran. Das neue Umspannwerk auf dem Betriebsgelände in der Karcherstraße ist fertiggestellt. Es besticht nicht nur durch seine technische Bedeutung, sondern auch durch sein Äußeres. Da hat das, was wie Dekor anmutet, auch eine Funktion. So etwa der Behang mit Lochblechen. Er dämmt die Schallentwicklung. Auch die Verbindungsleitung zum Umspannwerk in der Pariser Straße ist fertiggestellt.

Geballte Kompetenz

Für Planung und Umsetzung des Projekts hat SWK wohl einen einzigartigen Weg gewählt. Der Energieversorger greift in allen Phasen auf die Kompetenz im eigenen Haus zurück. Einen Generalunternehmer, der schlüsselfertig baut, den gibt es nicht. Planung und Bauleitung liegen aufseiten der Technik in der Hand der eigenen Mitarbeitenden. „Wir verfügen hier über ein exzellentes Team mit einer tiefen Sachkenntnis“, erklären die Projektverantwortlichen der SWK. „Wir müssen das Heizkraftwerk künftig betreiben, daher schauen wir bei jedem Detail genau hin.“

Im März hat die Fernwärme-Erschließung des Betzenbergs begonnen. Damit eröffnet SWK einem bedeutenden Wohngebiet die Nutzung der umweltfreundlichen Fernwärme. Aufgrund der vielen großen Wohngebäude verfügt der Betzenberg über ein großes Anschlusspotenzial.