Kultur in Zeiten der Krise

Wenn alles stillsteht, sind Ideen gefragt. 30-Livestream Konzerte in der Fruchthalle haben gezeigt: Kultur in der Region geht auch in schwierigen Zeiten.

Bildunterschrift Titelbild: Feierliche Übergabe: Bei dem Gebot von 1000 Euro ging das Bild an SWK. Jetzt ziert es die Vorstandsetage.

Aufgrund der Corona-Pandemie schlossen Mitte März alle Kultureinrichtungen ihre Türen. Mit einem Schlag verloren alle freischaffenden Künstlerinnen und Künstler ihre Auftritts- und Einnahmemöglichkeiten. Verluste, die sich nach dem Lockdown nicht mehr wettmachen lassen. Für nicht wenige eine existenzgefährdende Situation. Die Hände in den Schoß legen wollte jedoch keiner. In Kaiserslautern suchten Kulturreferat, Krisenstab und die städtische Gesellschaft KL.digital GmbH in der Krise nach neuen Wegen.

Die Idee eines Livestreams aus der Fruchthalle ließ sich verwirklichen. Auch wenn damit alle Neuland betraten. Dass sich die gestrichenen Live-Veranstaltungen nicht durch digitale ersetzen lassen, war allen Beteiligten klar. Konzerte vor leeren Reihen ganz ohne Publikum im Saal fühlen sich merkwürdig kalt an. Das Atmosphärische fehlt, das, was ein Konzert durch das Zusammenspiel von Akteuren und Publikum zu einem besonderen Erlebnis macht. Und dennoch ist es unter den gegebenen Bedingungen durch Nutzung der neuen Medien gelungen, so etwas wie eine kulturelle Grundversorgung aufrechtzuerhalten. Ein positives Signal in schwierigen Zeiten. Und gleichzeitig Auftrittsmöglichkeiten für Künstlerinnen und Künstler.

Beim Livestream-Konzert konnten die Zuschauer Carl KENZ über die Schulter schauen.

Großer Kulturbedarf

Im Nachhinein gibt der Erfolg den Machern Recht. Kulturamtsleiter Christoph Dammann hatte die Planung übernommen und die Kunstschaffenden engagiert. Von Anfang an war klar: Umsonst sollten sie nicht auftreten. Jeder sollte ein kleines Honorar erhalten. 26 000 Euro sind durch Spenden zusammengekommen. Auch mit Unterstützung der SWK. Gleichmäßig verteilt auf mehr als 60 Mitwirkende eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Wie groß der kulturelle Bedarf war, zeigen die Klicks auf Facebook und YouTube. Mehr als eine Viertelmillion Menschen haben das Angebot zwischen dem 24. März und dem 15. Mai 2020 verfolgt. Ungerechnet all jene, die die Konzerte über die drei offenen Kanäle Kaiserslautern, Trier und Idar-Oberstein gesehen haben. Die 30 Konzerte in acht Wochen endeten mit einem großen Finale. Beim „Great Final of Lockdown“ standen die beiden international gefeierten Musiker Tobias Urbanczyk und Sam Mpungu auf der Bühne. Sie unterhielten das Publikum mit Evergreens aus der Pop- und Rockgeschichte sowie eigenen Stücken. Als Highlight gab es ein Live-Painting-Event mit dem bekannten Lautrer Street-Art-Künstler Carl KENZ. Die Zuschauer konnten das Entstehen eines Kunstwerks mitverfolgen und per SMS-Spendenzusage ersteigern. Den Zuschlag erhielt SWK bei einem Gebot von 1000 Euro.

Eine Auflistung der Auftritte, die auch nach der Liveschaltung noch aufgerufen werden können, finden Interessenten unter herzlich-digital.de. Mehr Informationen rund zum Projekt „Wir für Lautern“ gibt es hier.