Ich schnapp mir "ne Dose

Schülerinnen und Schüler der Lina-Pfaff-Realschule plus verwandelten eine Trafostation der SWK und eine Garage auf dem Schulgelände in einen Fantasiewald.

Hier lugt ein riesiger Hase hervor, dort kehrt ein Mädchen dem heulenden Wolf den Rücken, ein mutiertes Eichhorn knabbert genüsslich an einer Nuss. Giftige Pilze schießen aus dem Boden. Was auf den ersten Blick wie eine Idylle wirkt, hat bei genauerem Hinsehen doch Befremdliches. Das Schreckliche schön, ästhetisch ansprechend darstellen, ein Konzept, das vielen Arbeiten von Carl Kenz zugrunde liegt. So auch im Fantasiewald. Weist doch das realistisch gestaltete Eichhörnchen bei genauerem Betrachten eine beachtliche Mutation auf. Der buschige Schwanz setzt sich im Fangarm eines Kraken fort.

Exakt vorbereitet

Nach

Nach sorgfältiger Vorbereitung übertragen die Schüler die Motive auf die Trafostation der SWK. (Bild: view – die agentur / Reiner Voß)

Carl Kenz arbeitet seit vielen Jahren in verschiedenen Projekten mit Schulen zusammen. Über den Kontakt zur Rektorin der Lina-Pfaff-Realschule plus, Tracy O’Brien, kam das neue Projekt Fantasiewald zustande. Seine Arbeit mit den Kids versteht er als soziales Engagement. Er will sie vor illegalen Aktionen bewahren und ihnen legale Möglichkeiten aufzeigen. In zwei Workshops hat der Lautrer Künstler die Schüler auf das Projekt vorbereitet. Dass ein Graffiti-Künstler sich einfach eine Spray­dose schnappt und loslegt, den Zahn hat er ihnen schnell gezogen. Künstlerisch gestaltete Graffitis erfordern eine sorgfältige Vorarbeit. Schon im Kunstunterricht bei Simone Mantzel haben sich die Schüler mit Street-Art auseinandergesetzt. Unter Street-Art versteht man verschiedene Formen nicht kommerzieller Kunst im öffentlichen Raum.

Besonderer Reiz

Im ersten Workshop haben sich die Schüler mit den Grundbegriffen vertraut gemacht, haben Techniken erlernt. Ihre Künste erprobten sie auf Leinwänden. Schwieriger als gedacht, bemerkte schnell der ein oder andere. Im zweiten, dem Best-of-Workshop ging es dann zur Sache. Kenz gestaltete das Projekt wie einen professionellen Auftrag eines Kunden: Ideenfindung, detaillierte Entwürfe, maßstabsgetreue Skizze, Farbauswahl. Der komplette Ablauf musste geplant werden. Bevor es an die Spraydosen ging, brauchten die Gebäude erst einmal einen neuen Anstrich. Harte Arbeit. Das Interesse der Mitschüler und der Lehrer war groß. In den Pausen scharten sie sich um die Künstlergruppe.

Selbst gestalten

Selbst das eigene Umfeld zu gestalten, hat für die Schüler einen besonderen Reiz. Für die Schulen ist es eine gute Möglichkeit, kostenlos hässliche Wände und Ecken fantasievoll und farbenprächtig zu bearbeiten. SWK beteiligte sich gerne und stellte die Trafostation gegenüber der Schule zur Verfügung. Finanziert wurde das Projekt aus Mitteln des Fördervereins der Lina-Pfaff-Realschule plus und des Landesprogramms „Jedem Kind seine Kunst“. Mit dem von der Landesregierung Rheinland-Pfalz initiierten Programm wird Kulturschaffenden des Landes Rheinland-Pfalz im Rahmen einer Kooperation mit interessierten Einrichtungen wie Schulen, Kindertagesstätten, Jugendzentren, Vereinen oder anderen Institutionen die Möglichkeit geboten, Projekte aus dem Bereich der kulturellen Bildung mit Kindern und Jugendlichen zu gestalten.

Mehr Infos unter arsvivenda.com