Hautnah erleben

Wenn es draußen wärmer wird, werden die Kattas im Zoo Kaiserslautern das Lemurenhaus wieder verlassen und ihr weitläufiges Gehege weiter erkunden.

Das Gehege ist begehbar. Zoobesucher können sich auf den vorgegebenen Wegen bewegen. Die possierlichen Feucht­nasen­affen sind neugierig und werden schnell zutraulich. Mit ­etwas Glück kommen sie ganz nah he­ran und berühren mit ihren zarten Händchen auch mal einen Menschen. Gerne zeigen sie ihre Kletterkünste und schwingen sich hoch hinauf. Allein bekommt man selten einen zu Gesicht. Wenn doch, dann dauert es nicht lange und schon sind ein Zweiter und Dritter da, um zu erkunden, was es da zu sehen gibt. Sie lieben die Gesellschaft. Mit seinen 1100 Quadratmetern ist das Gehege allerdings so groß, dass sich die Tiere auch mal aus dem Weg gehen können.

Denn das ist notwendig. Anfang Dezember gab es in der Gruppe, die aus einem österreichischen Zoo in der Nähe von Linz stammt, die ersten Rangkämpfe. Die Paarungszeit im März warf ihren Schatten voraus. Unter den fünf Männchen und drei Weibchen behaupteten sich langsam, aber sicher die Alphatiere. Das älteste Männchen hatte das Nachsehen und bezog mit zwei weiteren Männchen den Nachbarraum im Lemurenhaus.

Wärmeliebend

„Wenn alles gut geht, können wir mit Nachwuchs rechnen“, erklärt Matthias Schmitt, Geschäftsführer des Zoos Kaiserslautern. „Bei drei Weibchen wären das drei Junge. Es sind aber auch Zwillinge möglich.“ Die Bedingungen sind gut. Die Kattas, wie die aus Madagaskar stammende Primatenart heißt, haben das Lemurenhaus gut angenommen. Dort fühlen sie sich auch in der kalten Jahreszeit wohl. Denn die Halbaffen lieben die Wärme. Zwischen 18 und 19 Grad ist es durchgängig im Gebäude. Eine tiergerechte Erdgasheizung macht es möglich. Sie unterscheidet sich kaum von einer Heizung für Menschen. Doch der Teufel steckt im Detail. „Affen interessieren sich für alles, was ihre Umgebung bietet, insbesondere für alles Neue“, kommentiert der Leiter des Zoos. Daher mussten sich die SWK-Mitarbeiter bei der Planung mit vielen Detailfragen auseinandersetzen. Scharfe Kanten oder bewegliche Teile waren absolut tabu. Das Konzept ist aufgegangen. Gerne sitzen die Kattas auf den Heizkörpern und präsentieren sich dem Publikum.

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Kattas lieben die Gesellschaft. Selten sieht man ein Tier allein. Die Neugier treibt die zutraulichen Feuchtnasenaffen an. (Bild: view – die agentur / Reiner Voß)

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Der Tisch ist reich gedeckt. Frisches Obst und Gemüse stehen auf dem Speiseplan. (Bild: view – die agentur / Reiner Voß)

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Eisige Temperaturen schrecken die Enten nicht. Die Kattas hingegen bleiben lieber im Warmen. An warmen Frühlingstagen werden sie wieder ihr Außengehege erkunden. (Bild: view – die agentur / Reiner Voß)

Leckerbissen

Kommt das Futter in Sicht, sind alle zur Stelle. Der Zoo bietet ihnen eine vielfältige Auswahl an Obst und Gemüse. Doch wer meint, dass sich die acht Tiere darüber herstürzen, hat weit gefehlt. Kattas sind Genießer. Und jedes einzelne Tier hat seine eigenen Vorlieben. Was dem einen gekochte Kartoffeln, sind dem anderen Rote Bete. Einigkeit besteht in Bezug auf Weintrauben. Die gelten als absolute Delikatesse, stehen aber nicht jeden Tag auf dem Speiseplan. „Die Kunst besteht darin, die Tiere unabhängig von ihren Vorlieben ausgewogen zu ernähren, ohne dass sie übergewichtig werden“, erklärt Tierpfleger Danny Stock bei der Führung.

Gemeinsam leben

Doch die neue Lemurenanlage ist nicht die einzige Attraktion des Zoos. Auf 7,5 Hektar können 100 Arten mit 600 Tieren beobachtet werden. „Hautnah erleben“ ist das Motto. Damit das möglich ist, werden die Gehege in den kommenden Jahren umgebaut und die unterschiedlichen Tiere entsprechend ihrer Herkunft in ­einem naturgetreuen Umfeld vergesellschaftet. 2017 wird eine 3500 Quadratmeter große Savannenlandschaft entstehen, in der Zebras, Elenantilopen und ­Strauße gemeinsam leben.


Mehr Infos unter:

www.zoo-kaiserslautern.com