Geht doch

Hiobsbotschaften über die bedrohte Umwelt sind in den Nachrichten trauriger Alltag. Erfreuliche Meldungen scheinen dabei unterzugehen – aber es gibt sie!

Waldwüste verhindern

„Der Wald stirbt!“ – Anfang der 80er-Jahre beherrschten solche Schlagzeilen die Medien. Umweltforscher prognostizierten das Absterben ganzer Wälder durch saures Regenwasser, eine kollektive Furcht vor waldlosen Landschaften einte die Bevölkerung. Und heute? Auch wenn der Wald noch immer unter Umwelteinflüssen leidet, es geht ihm besser. Das große Waldsterben blieb aus, der Regen ist heute weniger sauer. Diese Entwicklung ist rechtzeitigen Gegenmaßnahmen für sauberere Luft zu verdanken. Kohlekraftwerksbetreiber mussten Filter einbauen, verbleites Benzin wurde verboten und Pkw fahren seitdem mit Katalysatoren.

Wiederverwertung top

In kaum einem anderen Land wird Mülltrennung so ernst genommen wie in Deutschland. Das zahlt sich aus: Die Recyclingquote bezogen auf das gesamte Abfallaufkommen liegt derzeit bei knapp 70 Prozent (Quelle: Statistisches Bundesamt). Mit dieser Verwertungsquote nimmt Deutschland weltweit einen Spitzenplatz ein und verbessert seine Umweltbilanz in mehrfacher Hinsicht. Denn Recycling reduziert nicht nur die Müllmenge, es spart auch Energie und Rohstoffe. Glas beispielsweise lässt sich unendlich oft wieder einschmelzen, jede neue Flasche besteht im Schnitt zu rund 60 Prozent aus Altglasscherben.

Kampf dem Tütenwahn

Plastiktüten verursachen gewaltige Umweltprobleme: Für ihre Herstellung wird jede Menge Erdöl gebraucht, sie erzeugen riesige Müllberge, Meerestiere ersticken an ihnen und bis sie vollständig zerfallen, vergehen bis zu 500 Jahre. Dass Handlungsbedarf besteht, haben die Politiker nun erkannt. EU-Länder setzen seit 2015 die Plastiktütenrichtlinie um: Danach sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, ihren Verbrauch bis 2026 auf 40 Stück je Einwohner pro Jahr zu verringern. Dies soll zum Beispiel dadurch erreicht werden, dass alle Geschäfte Geld für Kunststofftragetaschen verlangen. Vorreiter sind die Europäer mit ihren Ambitionen übrigens nicht: In Mauretanien und Bangladesch sind Plastiktüten schon seit Jahren verboten.

Energiemix immer grüner

Erneuerbare Energien lieferten 2015 mehr Strom als jemals ein anderer Energieträger in Deutschland. Jede dritte Kilowattstunde, die hierzulande verbraucht wurde, stammte aus Wind-, Solar-, Wasser- und Bioenergiekraftwerken, so die Berechnung der Energiedenkfabrik Agora. Global gesehen hat Ökostrom derzeit einen Anteil von rund 20 Prozent, bis 2040 könnte er laut Internationaler Energieagentur (IEA) auf 60 Prozent steigen. Wird der Klimavertrag von Paris wie geplant umgesetzt, verabschiedet sich die Welt auf lange Sicht sogar komplett von fossilen Energieträgern.

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Ozonschicht erholt sich

Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) galten lange als ideales Treibgas für Spraydosen und optimales Kältemittel für Kühlschränke – bis sich herausstellte, dass die Chemikalie die Ozonschicht zerstört. Das Loch in dem lebenswichtigen Schutzfilter war in den 80er-Jahren das drängendste Umweltproblem. Mittlerweile erholt sich die Ozonschicht. Bis Mitte des 21. Jahrhunderts könnten die Werte von 1980 wieder erreicht werden, prognostiziert ein UN-Bericht. Das ist vor allem dem 1989 in Kraft getretenen Montreal-Protokoll zu verdanken, einem völkerrechtlich verbindlichen Vertrag, der ozongefährdende Chemikalien vom Markt verbannte. Bis heute gilt das Abkommen als einer der größten Erfolge internationaler Umweltpolitik.

Weitere Erfolge

Die Liste der Öko-Erfolge lässt sich noch fortführen: Die Luft, die wir atmen, ist wesentlich sauberer als in den vorherigen Jahrzehnten. Das gilt auch für die Reinheit unseres Wassers: Bis in die 90er-Jahre gelangten die Abwässer der meisten europäischen Millionenmetropolen noch ungeklärt in Seen und Flüsse, heute haben viele Gewässer wieder Trinkwasserqualität. Lachse ziehen zum Laichen in die Flüsse, auch Tierarten, die in Europa lange Zeit extrem selten oder ausgerottet waren, wie Wölfe, Luchse und Bären, kehren zurück.

Die Beispiele sollen nicht verschleiern, dass der Zustand der Erde kritisch ist. Aber sie zeigen: Es entsteht ein immer größeres Bewusstsein dafür, dass sich etwas ändern muss. Bei Politikern, Bürgern und auch in der Industrie. „Green Economy“ ist zum Trend geworden. Viele Unternehmen senken Umweltrisiken und steigern ihre Energieeffizienz, eine grüne Firmenphilosophie ist gut fürs Image, fördert den Absatz und zieht qualifizierte Mitarbeiter an.

Dünger aus Abwasser, Sprit aus CO

Die Wissenschaft arbeitet an visionären Lösungen, die einen grundlegenden Wandel möglich machen. Autos und Flugzeuge könnten in Zukunft mit Kraftstoff, der aus Ökostrom und Kohlendioxid hergestellt wird, nahezu sauber angetrieben werden. Ebenso revolutionär und schon fast marktreif: Kunststoffe und Chemikalien auf CO2-Basis. Phosphor ist als Dünger unverzichtbar für die Landwirtschaft, aber eine rare Ressource. Sie könnte bald aus Abwasser und Klärschlamm zurückgewonnen werden.

Auch aus der Politik kommen verschiedene Ansätze, die unseren Planeten gesünder machen sollen. So will beispielsweise die EU mit ihrem Paket zur Kreislaufwirtschaft das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch entkoppeln, indem Müll vermieden und noch mehr recycelt wird.

Eine Zukunft ohne Erdöl

Ein Knackpunkt auf dem Weg zu einer grünen Zukunft ist der Straßenverkehr. Dessen Energieverbrauch stieg seit 1990 um 44 Prozent. Damit sind Pkw und Lkw Klimasünder Nummer eins. Immerhin erkennen die meisten Staaten, dass Handlungsbedarf besteht. Großstädte wie Oslo, Paris und Dublin wollen künftig Autos aus ihren Innenstädten verbannen. Die weltweit größten CO2-Emittenten China und die USA fördern entschlossen die Entwicklung von Elektroautos. Ergebnis: Der Verkauf der Elektrofahrzeuge boomt dort. „Weg vom Öl“ – auf diese Devise können sich die meisten Menschen einigen, wenn es um die Zukunft der Energieversorgung geht. Dass dies schon bald ein realistisches Szenario sein könnte, dafür steht der Vertrag von Paris. Das erste rechtlich bindende Klimaschutzabkommen, das für sämtliche Staaten der Welt gilt, zeigt es: Wenn die internationale Gemeinschaft an einem Strang zieht, ist alles möglich!

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