Das andere Einkaufen

Die "Marktschwärmer" bringen Erzeuger von Bioprodukten und ernährungsbewusste Verbraucher zusammen.

Donnerstag. Nach und nach treffen die „Marktschwärmer“ ein, das sind Erzeuger regionaler Produkte und ihre Kunden. In der Kammgarn-Schreinerei stehen die Tische bereit. Hier bauen die Erzeuger die bestellten Waren auf. Die Verteilung, das Abholen der Waren beginnt um 17.30 Uhr. Um 19 Uhr ist sie zu Ende. In dieser kurzen Zeitspanne treffen hier Woche für Woche Erzeuger und Verbraucher zusammen. Das hat für beide Seiten große Vorteile. Die Kunden müssen nicht die Wege zu den einzelnen Hofläden zurücklegen, für die meist das Auto genutzt wird. Das spart nicht nur Zeit und Geld, sondern entlastet auch die Umwelt und das Klima. Bei den „Marktschwärmern“ erhalten insbesondere kleine und mittlere Betriebe einen fairen Zugang zum Markt. Die Erzeuger treffen bei der Verteilung Menschen, die ihre Produkte wertschätzen. Sie bringen nur so viel Ware mit, wie bestellt wurde. Damit werden unverkaufte Lebensmittelreste nahezu vollständig vermieden. Da Bestellung und Zahlung bereits online abgewickelt wurden, haben die Erzeuger während der Verteilung Zeit, ihre Kunden kennenzulernen und sich mit ihnen über ihre Arbeit und ihre Produkte zu unterhalten. Zudem legen die „Marktschwärmer“ wert auf faire Preise. Der Zwischenhandel entfällt, die Erträge sind höher. Ökologische Erzeugung und die entsprechenden Siegel sind kein Muss. Viele Erzeuger haben sich ganz bewusst gegen eine Zertifizierung entschieden, obwohl sie ökologisch arbeiten. Erzeuger und Kunden setzen auf gegenseitiges Vertrauen.

Die Gastgeberin

Jede Schwärmerei wird von Gastgebern geleitet. In Kaiserslautern ist das Katharina Klein. Sie sorgt für den reibungslosen Ablauf von Verkauf und Verteilung. Sie kümmert sich um die Räumlichkeiten, hält den Kontakt zu den Erzeugern, organisiert den wöchentlichen Online-Verkauf. Bei jeder Verteilung steht sie für Fragen und Antworten zur Verfügung. Katharina Klein hat die Idee der „Marktschwärmer“ nach Kaiserslautern gebracht. Als sie in die Barbarossastadt zog, war sie enttäuscht darüber, dass der Handel so wenig regionale Produkte bot. Handeln statt jammern war für sie die Devise. Im August 2017 eröffnete sie die „Marktschwärmerei“. Ein voller Erfolg! „Bei der Eröffnung ­hatten wir deutschlandweit die meisten Be­stellungen“, berichtet die Gastgeberin nicht ohne Stolz.

Regional, Saisonal und frisch

Das Konzept der „Marktschwärmer“ geht auf, weil es einer immer größer werdenden Verbrauchergruppe gerecht wird. Es befriedigt zwei Bedürfnisse. Zum einen kann man per Handy, Tablet oder Laptop bestellen, wann und wo man will. Zum anderen wird der Wunsch nach Lebensmitteln aus nachhaltiger regionaler Erzeugung befriedigt. Dazu kommen die kurzen Transportwege. In Deutschland gibt es die „Marktschwärmer“ seit 2014. Sie sind der deutsche Ableger einer Initiative, die in Frankreich von einem Social-Start-up-Unternehmen unter dem ­Namen „Der Bienenkorb, der ja sagt“ gegründet wurde. Im Februar 2018 gab es etwa 30 aktive „Schwärmereien“ in Deutschland und viele weitere sind im Aufbau.www.marktschwaermer.de