Aus dem Leben einer Fossilienhändlerin

Mit ihren Ideen will Annesuse Raquet zeigen, dass Fossilien mehr sein können als Gegenstand der
Wissenschaft oder Sammlerobjekt.

Vor Annesuse Raquet liegt ein versteinerter Zahn eines afrikanischen T.Rex, mit wissenschaftlichem Namen „Carcharodontosaurus“. Gelebt hat die Scharfzahnechse vor etwa 70 Millionen Jahren. Sie gilt mit einer Länge von nahezu 14 Metern als der größte an Land lebende Fleischfresser der Erdgeschichte. Entsprechend gewaltig sind ihre gefurchten Zähne. Die Fossilienhändlerin nimmt den Zahn in die Hand. Immer wieder dreht und wendet sie ihn. Ein besonders schönes Exemplar: Wie bei einem neuen Messer mit Wellenschliff sind die Furchen gleichmäßig ausgeprägt und gut erhalten. „Der Zahn ist scharf“, erklärt die passionierte Expertin. Seit Tagen beschäftigt sie sich schon mit dem Fossil. Sie sucht nach einer passenden Möglichkeit, es angemessen zu präsentieren. Plötzlich kommt ihr der jüngst erstandene Uvarovit, ein tiefgrüner Schmuckstein mit einer körnigen Oberfläche, in den Sinn. Er ist in Navette-Form geschnitten. Die ovale an den Enden spitz zulaufende Form erinnert die Sulzbachtalerin an ein Schiff. Und schon ist die Idee geboren: Der Zahn wird zum Segel. In den nächsten Tagen nimmt das Projekt Gestalt an. Eine kleine Handzeichnung entsteht. Das Erscheinungsbild wird ständig verfeinert. Als sie sich sicher ist, nimmt sie Kontakt mit ihrem Goldschmied Harald Heinrich in Overath auf. Sie schildert ihm, was sie vorhat. „Wir sprechen die gleiche Sprache“, erklärt sie die zielführende Zusammenarbeit. Er setzt ihre Ideen um. Noahs Arche heißt das neue Objekt.

Zeugen vergangener Lebensräume

Schon immer haben Fossilien – die versteinerten Überreste von Lebewesen aus der Erdvergangenheit – sie fasziniert. Da ist einerseits der unglaubliche Detailreichtum, wie etwa die feine Flügeläderung einer Libelle, die noch im Stein zu erkennen ist, und andererseits der Gesamtzusammenhang. „Wir müssen uns immer wieder bewusst machen, dass wir heute nicht existieren würden, hätte es nicht diese ungeheure Vielfalt in der Evolution gegeben.“ Die ehemalige Finanzbeamtin hat sich gezielt in die Materie eingearbeitet. Mit viel Erfolg.

Top Five

Seit mehr als 30 Jahren handelt Annesuse Raquet mit Fossilien. In dieser Zeit hat sie sich in der Branche einen Namen gemacht. Als eine der bekanntesten gehört sie in Deutschland zu den Top Five und international zu den Top Twenty. Doch dieses Ansehen musste sie erst erwerben. „Am Anfang habe ich bei den Museen Klinken geputzt“, erzählt sie. „Ich habe Kontakte aufgebaut und musste herausfinden, wer was braucht. Langsam ist ein Netzwerk entstanden, und ich wusste, was ich welchem Museum anbieten kann, wer worüber forscht. Heute kommen Paläontologen und Museen auf mich zu, weil sie wissen, was ich anbiete.“

Wunderkammer

Auf der Suche nach einer angemessenen Präsentation der Fossilien gerade im privaten Bereich ist Annesuse Raquet auf die Idee gekommen, sie mit anderen Materialien zu kombinieren. Sie verwendet versteinertes Holz, Acryl, Kupfer und Silber, aber auch Edelsteine. So bringt sie das je Eigene des Fossils sinnfällig zur Geltung. In der Wunderkammer in Sulzbachtal gibt es jede Menge zu entdecken.

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view - die agentur / Reiner Voß

„Get a move on“:
handgearbeitete
Hornschale mit
Ammoniten

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Ein Dino-
Zahn regte
Annesuse
Raquet zu
ihrem Objekt
„Noahs
Arche“ an.

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„Breath-taking look“:
stilisiertes Auge aus
Kupfer mit Ammoniten-
Iris und Honigquarz-Cabochon
als Pupille

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„Sound of the sea“: Bild
mit zwei versteinerten
Flügelschnecken aus
Italien zwischen grünen
Lotusblättern

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Fossiliensammlung:
Auch Insekten
haben im Stein
ihre Spuren
hinterlassen.