Aus dem Leben einer alten Schachtel

Im Biomasse-Heizkraftwerk der Zentralen Abfallwirtschaft Kaiserslautern (ZAK) wird auf ganz besondendere Art und Weise Energie produziert.

Auch ausgemusterte Möbelstücke sind noch für etwas gut. Zum Beispiel zur Erzeugung von Energie. Im Biomasse-Heizkraftwerk der Zentralen Abfallwirtschaft Kaiserslautern (ZAK) wird durch die Verfeuerung alter Schränke, Tische oder Stühle Energie produziert. Davon profitieren alle: die Bürger und die Umwelt.

Es kommt darauf an, was man daraus macht

Noch hat mein letztes Stündlein nicht geschlagen. Das kann ich Ihnen versichern! Verzeihen Sie, dass ich mit der Tür ins Haus falle. Ich sollte mich erst einmal vorstellen: Ich bin eine alte Kommode. Einst war ich ein prächtiges Stück. Der ganze Stolz meiner Besitzer. Zugegeben, ich habe bessere Zeiten erlebt. Der Zahn der Zeit hat mächtig an mir ­genagt. Im Laufe der Jahrzehnte hat man mich achtlos hin und her geschoben. Bis man mich schließlich im Regen stehen ließ. „Nicht mehr zu gebrauchen“, entschied die neue Hausbesitzerin und stellte mich kurzerhand zum Sperrmüll. Doch noch kann man mit mir rechnen. Noch stecke ich voller Energie.

Wie durch ein Wunder habe ich den Transport überlebt. Hier stehe ich nun bei der ZAK, der Zentralen Abfallwirtschaft Kaiserslautern, und harre der Dinge, die da kommen. Einmal auf dem Gelände, gibt es kein Zurück mehr. Da hilft auch der wehmütige Blick des Baggerführers nicht, als er mich sanft in den Schredder befördert. Abfall, sagten meine Besitzer. Bei der ZAK sagen sie, es kommt darauf an, was man daraus macht. Das tröstet mich. Ich werde nützlich sein. Irgendwo in Kaiserslautern wird es dank meiner Existenz in einem Kinderzimmer wohlig warm sein.

Der Stoffkreislauf

Die groben Holzbestandteile werden ausgesiebt.

Doch der Reihe nach. Gleich zerkleinert mich der Schredder in handgroße Stücke. Ein Magnet zieht meine schönen Beschläge an und befördert sie in einen eigenen Container. Abfall gibt es bei der ZAK nicht. Alles wird einer weiteren Verwertung zugeführt. Stoffkreislauf nennt man das. So bearbeitet, falle ich auf ein Förderband, komme auf die Halde. 20.000 Tonnen Schränke, Stühle, Paletten, also Holz ohne schädliche Bestandteile, werden jährlich so behandelt. In Containern bringt man uns in den Bunker des Biomasse-Heizkraftwerks der ZAK. Ein leichter Stallgeruch schlägt mir entgegen. Gemeinsam mit den groben Holzanteilen aus dem Bioabfall, den sogenannten regenerativen Energieträgern, warten wir auf unsere Verbrennung. In zwei, drei Tagen zeigen wir, was in uns steckt: jede Menge Energie! Wir werden zu Wärme und Strom.

Grüne Fernwärme

Die geschredderte Holz-Biomasse gelangt per Kran in die Verwertung.

Das Biomasse-Heizkraftwerk arbeitet nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Das bedeutet, dass Strom und Wärme gleichzeitig erzeugt werden. Bevor das Biomasse-Heizkraftwerk an das Fernwärmenetz der SWK angeschlossen wurde, wurde mehr Strom und weniger Wärme produziert. Wenn der Eigenbedarf der ZAK gedeckt war, wurde der überschüssige Strom in das Netz der SWK eingespeist. Die überschüssige Wärme blieb ungenutzt.

Jetzt wird durch die Fernwärmeanbindung mehr Wärme und weniger Strom erzeugt. Dazu hat die ZAK etwa 1,4 Millionen Euro in eine neue Leittechnik und in Wärmetauscher investiert. Der höhere Wärmeanteil führt zu einem höheren Nutzungsgrad der eingesetzten Brennstoffe und damit auch zu einer Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Biomasse-Heizkraftwerkes.
Grün wird die Fernwärme dadurch, dass aufbereitetes Holz und Biogas, also regenerative Brennstoffe, eingesetzt werden. Das Biogas stammt aus zwei Quellen. Zum einen wird Deponiegas genutzt und zum anderen Biogas, das bei der Vergärung der Bioabfälle entsteht.

Wärme für 3.000 Einfamilienhäuser

Jan Deubig (rechts), Vorstand der ZAK, beim Rundgang über das Betriebsgelände

Damit die grüne Fernwärme ins Kinderzimmer gelangt, hat SWK sechs Millionen in den Bau einer Verbindungsleitung und einer Übergabestation investiert. Ab der Heizperiode 2015/2016 liefert die ZAK 40 Gigawattstunden Fernwärme an SWK. Das entspricht dem Bedarf von 3.000 Einfamilienhäusern. Die Umsetzung des Projekts hat große Bedeutung für die Klimaschutzziele der Stadt. Mit einem Schlag sinkt der Kohlendioxidausstoß um 15.000 Tonnen. Davon profitieren alle: die Umwelt und die Bürger von Kaiserslautern.

Mehr Infos unter
zak-kl.de
oder
mitganzerenergie.swk-kl.de